23. Januar 2019

Unsere Werkbank im Kindergarten-Alltag

In unserem Kindergarten steht seit ca. 35 Jahren eine Werkbank.

Viele Jahre war die Werkbank Teil des sogenannten „Werkraumes“, der zumeist abgeschlossen war, befanden sich doch Werkzeuge darin, die Kinder lediglich unter Aufsicht von Erwachsenen gebrauchen durften. Es kam jedoch selten dazu, denn dies bedeutete, dass eine pädagogische Fachkraft mit vier bis fünf Kindern in den separaten Raum ging, während die Kollegin mit den anderen 20 Kindern im Gruppenraum blieb. Dies ließ sich im Alltag oft nicht umsetzen.

Vor einem Jahr ist die Werkbank in den Gruppenraum der Orangenen Gruppe umgezogen. Das Kindergarten-Team hatte zuvor beschlossen, dass jeder Gruppenraum einen Schwerpunkt in Bezug auf Einrichtung und Materialien bekommt. Unser „Bauraum“ ist in der Orangenen Gruppe und die Werkbank ist ein Teil des Angebotes an die Kinder, das täglich genutzt werden kann.

Was hat sich seit dem Januar 2018 entwickelt? Wir beobachten, dass die Kinder kompetent und selbstverständlich mit Werkzeugen und Werkbank umgehen. Inzwischen sind viele kleine und größere Holzarbeiten entstanden. Teilweise wurden die Anregungen von den Erwachsenen gegeben, wie z. B. das Aussägen eines Regenbogens im Zuge unseres Projektes zum Thema „Frieden“ im vergangenen September. Überwiegend denken sich Kinder jedoch selbst etwas aus, was sie bauen möchten.

Wir sind beeindruckt, welche Ideen mit großer Ausdauer umgesetzt werden. Über viele Tage hinweg arbeiten einzelne Kinder an ihren Projekten. Sie probieren aus, sie verbessern ihre Ausführungen, bis sie zufrieden damit sind. Anschließend geht es dann häufig ins „Atelier“ (Gruppenraum der Gelben Gruppe), um das Haus, das Auto usw. anzumalen und damit zu vervollständigen. Wir nehmen wahr, dass Kinder sich gegenseitig beobachten, sie motivieren und helfen einander.

Dies ist lediglich ein Teil des Geschehens im „Bauraum“. Konstruieren, aufbauen, ausbauen und wieder einstürzen lassen – all das geschieht in den verschiedenen Bereichen des Gruppenraumes. Dabei ist der Prozess des Bauens, das Ausbalancieren und Experimentieren viel wichtiger als das Ergebnis. Die Kinder lernen etwas über Statik, über die Beschaffenheit der verschiedenen Materialien und über passende Untergründe. Fällt ein Bauwerk um, so ist das erlebte Schwerkraft, verschiedene Oberflächen, Formen und das Gewicht der unterschiedlichen Baumaterialien laden zum Ausprobieren ein.

Dabei erfassen Kinder auf intuitive Art physikalische Gesetze und zwar wesentlich einprägsamer als jedes Computerspiel dies schafft.

| Von Martina Laute-Voßwinkel