Archiv des Autors: Martina Laute-Voßwinkel

■ Partizipation im Kindergarten: Beteiligungsprojekt 2016

Beteiligungsprojekt 2016: Jede/Jeder hat die Möglichkeit zur Nutzung und Gestaltung der Bewegungshalle im Kindergarten

Im September und Oktober führten die pädagogischen Mitarbeiterinnen mit den Kindern von drei bis sechs Jahren  ein Beteiligungsprojekt durch.

Ein Beteiligungsprojekt hat allgemein das Ziel, dass Kinder Grundformen einer demokratischen Entscheidung kennenlernen und vertiefen. Dazu gehört z. b. sich eine Meinung bilden zu können und diese dann auch auszudrücken. Methoden werden erlernt  und geübt, wie Abzustimmen, einen Konsens zu finden, Delegierte zu wählen, als Delegierter das Wohl und Wollen der Gruppe im Blick zu haben und nicht (nur) seine eigenen Interessen, Mehrheiten zu akzeptieren und Kompromisse zu finden.

Zunächst trug das pädagogische Kindergarten-Team mögliche Themen für ein Projekt zusammen. Vorschläge waren: Vergabe der Laufräder im Garten, Gestaltung des Morgenkreises, Aufräumen, Regeln im Haus, Aufbau und Angebot in der Bewegungshalle.

Die Abstimmung ergab den Aufbau der Halle und alle Pädagoginnen konnten sich dieses Thema vorstellen, auch wenn sie einen anderen Vorschlag eingebracht hatten.

Als nächstes planten wir eine neue Vorgehensweise für unsere Bewegungshalle. Die Kinder sollten zukünftig mitentscheiden können, welche Bewegungsbaustelle aufgebaut wird, ob andere Möglichkeiten angeboten werden, wie z. B. Spiellieder, Tanz und Bewegungsspiele und wer für einen bestimmten Zeitraum auswählt und aufbaut.

Damit Kinder ein Bild von ihren Entscheidungsmöglichkeiten bekommen und wie am Ende die Mitbestimmung geregelt wird, mussten verschiedene Schritte geplant und durchgeführt werden.

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Wir laden alle ein, sich hier zu informieren und sich inspirieren zu lassen:

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■ Bauen, Balancieren, Modellieren und mehr

Heute laden wir dazu ein, durch unseren Kindergarten zu gehen und aufzuspüren, womit sich die Kinder beschäftigen.

In den vergangenen Tagen haben wir Schwerpunkt-Themen in allen Räumen des Kindergartens eingerichtet.

 

In IMG_0526der Bewegungshalle geht es zur Zeit vorwiegend um das Balancieren. Dabei variieren die Höhen und Schwierigkeitsgrade. Die Kinder erproben sich vorsichtig und forsch, schnell und langsam, vorwärts und rückwärts über die Hölzer und Stangen zu balancieren. Nur nicht das Gleichgewicht verlieren! Und wenn doch, dann springt man schnell hinunter und übt sich im Fallen, denn auch das ist wichtig!IMG_0533

 

 

 

 

 

Nebenan im Atelier ist eine Modellier-Werkstatt eingerichtet. Hier kann man mit verschiedenen Materialien experimentieren.

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Kneten, formen und schneiden von Ton.

 

 

 

 

In der roten Gruppe geht es viel um Mengen, Inhalte und die Leere:

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Und ein Blick in die orange Gruppe zeigt:

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Hier wird gebaut!

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Und wenn die Baustelle größer werden muss, weicht man gerne auch in die Halle aus.

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Viel Platz braucht auch eine Eisenbahnstrecke oder das längste Bild des Kindergartens. Deshalb ist unser Flur genau richtig:

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Für Spiele, in denen Kinder in andere Rollen schlüpfen, sich verkleiden und Geschichten spielen gibt es im gelben Gruppenraum vielfältige Möglichkeiten:

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Ganz aktuell war vor kurzem ein Pumpwagen am Kindergarten, der sogleich nachgebaut wurde!

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■ Wir werden immer größer…

Unser neuer Krippenbereich mit den beiden Gruppen ist nun seit einem halben Jahr von Kindern zwischen einem und drei Jahren im Betrieb.

 

Inzwischen sind die meisten Kinder gut hier angekommen und spielen, erforschen Neues und vertiefen das Gelernte.

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100_7271Bewegung ist wichtig! Die Kinder nehmen die Möglichkeiten zum Klettern und Springen wahr, sehen sich gegenseitig zu und probieren vieles aus.

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Malen, Kleben und Kneten gehören dazu: Kinder erleben, wie sie Spuren hinterlassen, wie sich das unterschiedliche Material anfühlt und wie etwas neues entsteht.

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Ein Bilderbuch auf dem Schoß der Erzieherin – da kann man sich gut entspannen, sich miteinander unterhalten und neue Wörter lernen!

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Außerdem bietet der Alltag auch viele Gelegenheiten, um selbständig zu werden!

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Dies war ein kleiner Einblick in den Alltag des Spatzen- und Amselnest!

 

 

■ Beteiligungsprojekt „Jeder bestimmt seine Geburtstagsfeier im Kindergarten“

 

„Eine demokratisch verfasste Gesellschaft ist die einzige Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss, alle anderen Gesellschaftsordnungen bekommt man so.“ (Negt)

Unsere Einrichtung hat sich vor einigen Monaten auf den Weg gemacht, den Alltag im Kindergarten daraufhin zu untersuchen, wer etwas mitgestaltet und entscheidet.

Die Frage nach dem Freiraum, in dem Kinder mitgestalten und mitbestimmen ist in einem Haus, das sich 87 Kinder und fast 20 Erwachsene teilen, sehr wichtig. Und wir können sie nicht ignorieren! In der UN-Kinderrechtskonvention, die seit 1990 von fast allen Staaten weltweit ratifiziert wurde, steht ausdrücklich das Recht der Kinder auf Berücksichtigung ihres Willen und auf ihre Meinungs- und Informationsfreiheit.

Zunächst machten wir Erwachsenen uns mit dem Thema „Partizipation“ während unserer Studientage im Oktober 2013 vertraut. Zusammen mit Nicole Rüter, die vom Diakonischen Werk in Niedersachsen dafür ausgebildet wurde, lernten wir anhand einer Planung eines Beteiligungsprojektes die Grundsätze und Methoden der Partizipation kennen. Das Thema des Projektes, nämlich „Jeder bestimmt seine Geburtstagsfeier im Kindergarten“ entstand aus den Beobachtungen der Erzieherinnen, die eine gewisse Unzufriedenheit der Kinder und Erwachsenen an den Geburtstagsfeiern feststellten.

Innerhalb des Projektes lernten Kinder Prozesse kennen, die zu einer Demokratie gehören, indem sie diese selbst erlebten.

Ablauf des Projektes:

Zuerst ging es um die Meinungsbildung der Kinder. Denn nur, wenn ich über Informationen verfüge, kann ich mich entscheiden. Die erste Frage war: Wie feiern wir hier im Kindergarten Geburtstag? Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten gibt es in den einzelnen Gruppen? Jede Gruppe erarbeitete zunächst, wie innerhalb der eigenen Gruppe gefeiert wird und welche Bestandteile dazu gehören. Dies wurde in einem sogenannten „Geburtstagstisch“ sichtbar gemacht. Dort lagen die konkreten Utensilien, wie z. B. der Kerzenkranz, die Spielpuppe. Es mussten jedoch auch Symbole für abstrakte Bestandteile der Feier gefunden werden, wie für ein Lied, die Begrüßung des Geburtstagskindes usw.

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Der Geburtstagstisch der gelben Gruppe

Die Geburtstagstische der Gruppen fanden nun auf dem Flur Platz, dort konnten sich alle einmal ansehen, was  überall zu finden ist und was sich unterschied.

Damit Kinder auch noch andere Formen und Inhalte von Geburtstagsfeiern kennenlernen konnten, führten unsere Großen Interviews mit Schulkindern der Grundschule Oyten. Eltern konnten einen Fragebogen ausfüllen und abgeben, wie sie als Kind gefeiert haben. Für einige Tage verwandelte sich der Besprechungsraum der Erwachsenen in ein Kino. Dort wurden Filme gezeigt, wie „Pippi Langstrumpf“ oder „Conni“ Geburtstag feiern. Außerdem gab es in unserer Kiga-Bücherei Bilderbücher zum Thema.

Ziel für diese Phase des Projektes war es, dass Kinder Kenntnisse über das Feiern von Geburtstagen sammeln. Dazu war notwendig, dass das pädagogische Fachpersonal sich Methoden überlegte, wie einzelne Bestandteile dargestellt werden können, damit jedes Kind dies nachvollziehen und sich so eine Meinung bilden konnte. Dies können Gespräche sein, es gibt jedoch auch andere Formen von Kommunikation, z. B. Symbole, Gebärden oder Signale.

Schließlich kam die Entscheidungsphase. Das Ziel war, die einzelnen Elemente einer Geburtstagsfeier festzulegen. Jede Gruppe hatte dazu ihren Wahltag, dies bedeutete dass das einzelne Kind in einer geheimen Wahl aussuchte, was es in der großen Geburtstagskiste haben wollte. Dazu wurden Fotos der möglichen Bestandteile im Besprechungsraum der Erwachsenen ausgestellt. Nun bekam jedes Kind acht Klebepunkte, die es auf die Rückseite der Fotos klebte, die etwas darstellen, was dieses Kind gerne beim Geburtstagfeiern dabei hätte. Die Kinder gingen einzeln wählen und wurden dabei von einer ihrer Gruppenerzieherinnen begleitet.

Nach den Wahltagen wurden Punkte gezählt und dementsprechend die Geburtstagskiste gefüllt. Nun feiern wir seit einigen Wochen anders Geburtstag als vorher. Das Geburtstagskind bespricht schon einige Tage vor seiner Feier mit seiner Erzieherin, wie es gerne feiern möchte: in welchem Raum, mit welchen Kindern, ob es spielen, tanzen oder turnen möchte, ob es sich ein Lied wünscht usw. Dazu haben wir einen extra Fragebogen für die Kinder entwickelt, der nach dem Geburtstag in die Schatzmappe dies Geburtstagskindes eingeheftet wird.

Auf der Pinnwand im Flur können alle Kinder sehen, wer in dieser Woche Geburtstag hat und wo das Kind gerne feiern möchte. Das erleichtert die Planung im ganzen Haus.

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